Der Intellektuelle und doch Idiot – Jakob Augstein über einen „Deutschen Traum“

 

Der Titel dieses Beitrags bezieht sich auf Nassim Talebs Kapitel aus „Skin in the game“.

Ich zitiere:

„Was wir weltweit gesehen haben, von Indien über Großbritannien bis zu den USA, ist die Rebellion gegen den inneren Kreis der „Sachbearbeiter“ und Journalisten-Insider, diese Klasse von paternalistischen semi-intellektuellen Experten mit irgendeiner Ivy League, Oxford-Cambridge, oder ähnlicher hochklassigen Bildung, die dem Rest von uns sagen 1) was zu tun ist, 2) was zu essen ist, 3) wie man spricht, 4) wie man denkt.... und 5) für wen man stimmt.“

 Gleich zu Beginn beschreibt Augstein seinen Wunsch:

 „Durch Einwanderung könnte Deutschland zum neuen, besseren Amerika werden. Wir müssten uns nur von lieben Gewohnheiten verabschieden - zum Beispiel vom Sozialstaat, wie wir ihn kennen.“

Das sind gleich mehrfache Idiotien in nur zwei Sätzen. Wir können das Ganze doch einfach umdrehen und die Frage stellen ob Amerika etwa durch die Einwanderung der Deutschen zu einem besseren Amerika geworden ist, oder ob die heute Misere der USA eben gerade auch durch diese Einwanderung entstanden ist. Der zweite Irrtum ist ja gerade die vom angeblich nicht vorhandenen Sozialstaat in den USA. Das ist völlig falsch, wenn man sich vor Augen hält was etwa der „Housing Act of 1937“ oder neuer „Section 8 Housing“ alles anrichten. So kann es durchaus passieren (wie unter der Obama Regierung) das „zu weiße“ Vororte durch Section 8 per Staatsgewalt durchgemischt wurden und werden. Dazu kommen „Food Stamps“, kostenlose Krankenhausbesuche für Illegale und und und. Die Behauptung das es in den USA keinen Sozialstaat gibt ist eine beliebte linke Lüge.

Im Text wird auch der alte Spruch auf der Freiheitsstatue erwähnt.

„Gebt mir Eure Müden, Eure Armen, Eure geknechteten Massen, die sich danach sehnen, frei zu atmen.“ Das steht im Sockel der Freiheitsstatue.“

Dieser oft zitierte Satz stammt aus dem Gedicht „The New Colossus“ von Emma Lazarus einer großen Familie sephardischer Juden stammte. Damit warb sie für sich und ihre Leute, damit diese in die USA einwandern konnten, obwohl das Land niemals für sie gegründet wurde. Das wird völlig klar, wenn man die Präambel der Verfassung der Vereinigten Staaten liest.

Wir, das Volk der Vereinigten Staaten, von der Absicht geleitet, unseren Bund zu vervollkommnen, Gerechtigkeit zu verwirklichen, die Ruhe im Innern zu sichern, für die Landesverteidigung zu sorgen, die allgemeine Wohlfahrt zu fördern und das Glück der Freiheit uns selbst und unseren Nachkommen zu bewahren, setzen diese Verfassung für die Vereinigten Staaten von Amerika in Geltung.

Für und selbst und unsere Nachkommen. Nicht für die ganze Welt, nicht für Immigranten. Augstein fährt fort, erkennt einige Fehlentwicklungen, ohne den Grund der Fehlentwicklung zu benennen.

Heute klingt das wie ein Hohn: Die USA sind zur Oligarchie verkommen. Die Armen wählen in ihrer Verblendung die Milliardäre. Das Trennende, der Rassismus, die soziale Apartheid, überwiegt das Gemeinsame. Der amerikanische Traum ist ausgeträumt.

Der Traum ist ausgeträumt, weil die Gründungsidee der Vereinigten Staaten verraten, zersetzt und zerstört wurde.

Augstein springt dann auch schnell auf ein neues Thema, Geld.

Fangen wir mit dem Geld an. Geld ist den Deutschen sehr wichtig. Wenn es ums Geld geht, lässt sich sagen: Einwanderung ist ein gutes Geschäft. Einwanderer liegen dem Staat nicht auf der Tasche. Im Gegenteil: Auf lange Sicht füllen sie diese Tasche. Für das Jahr 2012 hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ausgerechnet, dass jeder Ausländer pro Jahr durchschnittlich 3300 Euro mehr an Steuern und Sozialabgaben einzahlt, als er an staatlichen Leistungen erhält.

Diese Behauptung findet man ganz oben auf Google wenn man nach der Studie sucht, allerdings hat Hans-Werner Sinn seinerzeit nachgerechnet und kam auf ein gigantisches Verlustgeschäft.

„Angesichts dieser Verhältnisse sollte nun endlich eine ideologiefreie und nicht vom Streben nach politischer Korrektheit getriebene Debatte über die Migrationspolitik beginnen“, schreibt Sinn in der F.A.Z. Er attackierte auch Medien, welche die Bertelsmann-Studie falsch gelesen und von „Milliarden-Gewinnen durch Zuwanderung“ geschrieben hätten. Auch die Bertelsmann-Studie komme letztlich zu einem negativen Ergebnis mit einem „impliziten Finanzierungsdefizit“ in Höhe von 79.100 Euro je Migrant über die gesamte Zeit, betonte Sinn.

Nach diversem Geschwurbel bringt Augstein dann tatsächlich noch den „Melting Pot“.

 „The Melting Pot“ hieß ein Theaterstück, das im Jahr 1908 in den USA uraufgeführt wurde. Es erzählt die Geschichte von David Quixano, einem russischen Juden, der nach Amerika auswandern will, nachdem seine Familie bei einem Pogrom ermordet wurde. In Amerika kann man hinter sich lassen, wer man war und woher man kommt. In Amerika werden alle zu Amerikanern: „Deutsche und Franzosen, Iren und Engländer, Juden und Russen - hinein in den Tigel mit euch allen! Gott schafft den Amerikaner.“

Das Stück wurde von Israel Zangwill, einem russischem Juden geschrieben, der anscheinend niemals in die USA gereist ist. Das Werbeplakat für das Propagandastück erinnert an apokalyptische Gemälde von Hieronymus Bosch.

 

Augsteins Stück ist irre. Er stellt sich mit seiner Analyse in eine Reihe mit Leuten wie Gaddafi und Ahmadinejad die erklärten, das Amerika nur eine Art Idee ist, die für alle Menschen auf der Welt offen steht. Eine interessante geistige Verwandtschaft die Augstein hier aufzeigt.