Übliche Falschdarstellungen in der Presse über den Islam

Stellvertretend für die immer gleichen Behauptungen in Presseorganen werde ich hier einen Artikel aus der „TAZ“ kommentieren. Es macht schlicht keinen Sinn, Woche für Woche immer wieder die gleichen Verdrehungen, falsche Behauptungen und Schlussfolgerungen zu korrigieren.

Der Artikel nennt sich „Deutschland ist ohne Islam undenkbar“ und kann hier gelesen werden.

Der Artikel stammt von einer „Ingrid Thurner“ die auf ihrer Webseite immer wieder Artikel veröffentlicht, die einen ähnlichen Grundton aufweisen.

Schon die Überschrift ist eine falsche Behauptung, denn natürlich ist Deutschland ohne Islam denkbar. Es gab hier über Jahrhundert keinen Islam, ohne das wir diesen irgendwie vermisst hätten.

Gehen wir auf den vor Unsinn strotzenden Artikel ein.

Der Okzident hat seine sogenannten Werte und Leistungen keineswegs allein und in genialer Isolation erarbeitet, sondern hat den Orient geistig und kulturell ausgebeutet und aufgesogen, was brauchbar schien. Ohne die intellektuellen Leistungen von Muslimen würden wir weder bequem wohnen, noch könnten wir effizient rechnen.

Selbstverständlich bietet die Dame hier keinerlei Beweise an, sondern behauptet einfach vor sich hin. Ich verweise als Beispiel auf die historischen Bauten die noch heute in Deutschland stehen, etwa den Aachener Dom, der bereits im Jahr 803 errichtet wurde.

Im Laufe von 13 Jahrhunderten hinterließen Araber, Perser und Türken in Europa nicht nur ihr Genmaterial, sondern auch ihr Gedankengut.

Wenn also Eroberer durch Gewalt ihr „Genmaterial“ hier hinterließen, dann ist das positiv? Ist damit die Kolonialzeit der Europäer nun positiv zu bewerten?

Schon Anfang des 8. Jahrhunderts fassten Muslime in Europa Fuß, Teile Spaniens regierten sie 700 Jahre lang. Portugal, Sardinien, Sizilien und Süditalien verweisen auf kürzere islamische Epochen und Intermezzi. An den Umschlagplätzen für Wissen – in Bagdad, das im 8. Jahrhundert zur damaligen Welthauptstadt aufstieg, aber auch in Córdoba, Sevilla und Toledo – wurden die Werke der griechischen Philosophen, Platon und insbesondere Aristoteles, gelesen, rezipiert und übersetzt.

Die vermutlich perverseste Verdrehung im Text. Die Muslime „fassten nicht Fuß“ sondern kamen als brutale Eroberer und Unterdrücker nach Spanien. Sie regierten nicht einfach, sondern zerstörten Kirchen und zwangen die oft griechischen Baumeister aus dem Geröll Moscheen zu errichten. Sie plünderten, vergewaltigten und zerstörten alles, was im christlichen Spanien an Schönheit und Reichtum vorhanden war. Das ist alles im Detail in „The Myth of the Andalusian Paradise: Muslims, Christians, and Jews Under Islamic Rule in Medieval Spain“ von Dario Fernandez-Morera beschrieben. 

Während das westliche Mittelalter heute noch manchmal mit der klischeehaften Beifügung finster versehen wird, ist im arabisch-persischen Kontext gern vom „goldenen Mittelalter“ die Rede. Islamische Zivilisation rettete das Erbe der Antike durch mehrere Jahrhunderte, in denen es im christlichen Teil Europas dem Vergessen anheimfiel.

Durch die Eroberung der vormals christlichen Welt durch den Islam, die ihren Höhepunkt in der Eroberung Konstantinopels (heute Istanbul) fand, wurde der Austausch von Wissen erheblich gestört. Die Eroberer waren sehr oft Analphabeten (wie der Gründer des Islam). Die Eroberer zwangen also die gelehrten Christen die vorhandenen Werke, die sie als wertvoll ansahen, ins arabische zu übersetzen.

Unbestritten ist auch der Beitrag islamischer Forscher, etwa von Ibn Sina (lat. Avicenna), dessen Werk, ins Lateinische übersetzt („Canon medicinae“), jahrhundertelang den medizinischen Standard in Europa bildete. Und es war ein Muslim, durch dessen Vermittlung Aristoteles schließlich wieder zu Anerkennung gelangte: Ibn Ruschd (lat. Averroes). Er entwirrte die Widersprüche zwischen Glauben und logischem Denken.

Dazu muss man nur feststellen das Aristoteles bereits vorhanden war. Der Transfer und das Wissen wurde durch die muslimischen Eroberungen abgeschnitten. Die Eroberer haben sich hier in die Mitte gesetzt und den Fluß des Wissens kontrolliert. Und zu Ibn Rush bleibt zu erwähnen das er ein Experte in der islamischen Rechtslehre war und genau beschrieb wann und wie eine nicht-muslimische Ehebrecherin zu steinigen war.

“The twelfth-century expert on the Maliki School of Islamic jurisprudence in Spain, the Córdoban Ibn Rushd (known by Western scholars only as ‘the great philosopher Averroes’), confirms that the punishment for adultery in the case of a mushan woman must be stoning; and that no pit need be dug for the punishment (whereas, according to al-Shafi, a pit must be dug to stone a woman, but not a man).” A mushan, incidentally, is a free (that is, not enslaved) Muslim woman who is either a wife or a widow.

 Aber weiter im Text.

Im selben Jahrhundert, als im Westen im Rahmen der Reconquista Muslime dauerhaft aus Spanien vertrieben wurden (1492 Fall von Granada), konnten sie sich im Osten dauerhaft festsetzen: Unter osmanischer Herrschaft wurde Konstantinopel erobert (1453) und damit das christlich-byzantinische Reich. So stieg das Imperium zur Weltmacht auf, das sich in Ost- und Südeuropa schon lange behauptete.

Übersetzung: Nach 700 Jahren er Besetzung wurden die brutalen Eroberer endlich aus der angestammten Heimat der Spanier vertrieben. Auf der anderen Seite eroberten die Muslime die kulturelle Hochburg Konstantinopel, erst vor Wien wurden die Invasoren gestoppt.

Im Frühmittelalter brachten Muslime via Nordafrika die textile Technik des Knüpfens nach Spanien, in Córdoba entfaltete sich das Gewerbe. Und erst die geknüpften Fußbodenbedeckungen und Wandbehänge, die die Kreuzfahrer einführten, machten die zugigen Burgen im Hochmittelalter wohnlich. Durch die gleichen Kanäle wurden arabisch-islamische Musikkultur und Musiktheorie samt Instrumenten importiert und schufen neue Klangereignisse. Das WortLautestammt vom arabischen al-’ud.

Das ist absolut bizarr. Bereits die Römer kannten Fußbodenheizungen, und dann sollten Wandteppiche dafür sorgen, das Burgen wohnlich wurden? Auch gab und gibt es im Islam keine „Musikkultur“ oder neue „Klangereignisse“. Im Mutterland des Islam, Saudi-Arabien, ist Musik verpönt. Auch in Andalusien wurde Musik praktisch nur durch die christlichen Sklavinnen aufgeführt. Hätte der Islam ganz Europa erobert, die gesamte klassische Musik von Bach, Mozart, Beethoven und vielen anderen wäre nie entstanden.

Und die Ziffern, mit denen wir rechnen, sind arabisch (arab. as-sifr = Null). Araber brachten das Dezimalsystem samt den indischen Ziffern vermutlich im 10. Jahrhundert nach Spanien. Dort erhielten sie allmählich die heute gebräuchliche Form, doch nur langsam verdrängten sie die bis dahin verwendete römische Zahlschrift. Die katholische Kirche stand ihnen zunächst ablehnend gegenüber, aber Kaufleute stellten fest, dass sich mit ihnen schneller rechnen lässt, und das Rechenbuch von Adam Ries (fälschlich Riese), das 1550 erschien, enthält die uns bekannten typografischen Zeichen.

Soll daraus eine endlose Dankbarkeit entstehen und offene Grenzen für alle? Die Tatsache bleibt bestehen, das danach keine bedeutenden Entwicklungen mehr aus dem arabischen Raum nach Europe gekommen sind. Alle modernen Entwicklungen, von der IT Welt, bis zur Chemie und Biologie, alle diese neuen Erkenntnisse wurden im Westen, im nicht islamischen Teil der Welt entdeckt und beschrieben.

Es mag im Einzelnen unter Historikern umstritten sein, wie ansehnlich die arabisch-persisch-türkisch-islamische Zufuhr von Geistes- und Sachleistungen zu den westlichen Zivilisationen tatsächlich ist. Aber gewiss ist, dass diese Importe gern unter den Tisch gekehrt werden und auch in den Schulbüchern nicht den Stellenwert einnehmen, der ihnen gebührt. Gewiss ist auch, dass Europa ohne Islam und Muslime und ohne den Wissenstransfer aus islamischen Gebieten nicht das wäre, was es heute ist.

Durch den Islam kam es zu Wissenskontrolle und Wissensvernichtung in einem ungeheurem Ausmaß. Die Frage ist also eher, wo wäre Europa schon heute ohne den Islam. Vermutlich 700 Jahre weiter.